Allerdings mußten die Altenmarkter gegen Ende des Krieges im April 1945 nochmals um ihre beiden Brücken bangen. Die sich zurückziehende deutsche Wehrmacht wollte den Vormarsch der amerikanischen Truppenverbände durch Sprengung wichtiger Brücken hindern. Hier darf auf den Bericht Oberndorfer dieser Ortsgeschichte verwiesen werden. Mit viel List und Schnaps konnte damals die Sprengung verhindert werden.
In den ersten Jahren nach dem Kriege war der Straßenverkehr nicht stark. Die Ursachen lagen daran, daß die Bevölkerung durch den verlorenen Krieg verarmt, die gesamte Wirtschaft durch Luftangriffe und die vorstoßenden feindlichen Truppen (Artillerie- und Panzerbeschuß) schwer darniederlag und zudem die ,,Reichsmark" entwertet war.

Die Eisenbahn hatte im Kriege die Hauptlast des Nachschubes an Kriegsgerät besorgt. So kam es, daß während des Krieges unsere Feinde durch ständige Luftangriffe den Nachschub auf dieser Verkehrsader zu stören und schließlich gänzlich zu unterbinden suchten. Der Bahnhof Traunstein wurde bei einem Luftangriff im März 1945 völlig zerstört. Einige Tage später wurde ein Personenzug aus Traunstein kommend in der Nähe von Hörpolding von feindlichen Tieffliegern angegriffen und mit Bordkanonen beschossen. Mehrere Schwerverletzte mußten mit Sanitätswagen in das Krankenhaus nach Traunstein und Trostberg gebracht werden. Da nur wenige Krankenfahrzeuge zur Verfügung standen, die Verletzten aber gellend um Hilfe riefen, hatten die Sanitäter keine Zeit, die Tragbahren zu reinigen.
Ein Augenzeuge berichtete, daß die Sanitäter vor Aufnahme eines neuen Verletzten nur die Tragbahre kippten, um wenigstens den größten Teil des Blutes auszuleeren, das der kurz vorher Transportierte hinterlassen hatte.

Zu den Drangsalen, die die Bevölkerung in den Kriegs- und Nachkriegsjahren durchzustehen hatte, kamen die enormen Transportschwierigkeiten, die durch die Zerstörung der Straßen und hauptsächlich der Bahnlinien ausgelöst waren. Die Versorgung der Bevölkerung und der Betriebe (soweit sie vom Kriege verschont und arbeitsbereit waren) war in keiner Weise gewährleistet. Die meisten Kraftfahrzeuge waren durch Kriegseinwirkung zerstört. Da unser Geld im Ausland keinen Wert mehr hatte, war die Einführung von Treibstoff unterbunden. Die wenigen fahrbereiten Fahrzeuge mußten mit Holzgas angetrieben werden, weil Benzin fehlte. Dieses Holzgas wurde in einem am Fahrzeug angebrachten Kessel durch Abbrennen (ausglühen) von Holz erzeugt. Die Fahrzeuge brauchten eine stundenlange Anheizzeit, ehe sie starten konnten. Die Dampfzüge der Eisenbahn litten an Kohlenmangel, weil der Transportweg zum Ruhrgebiet abgeschnitten war. Außerdem mußten viele zerschossene Waggons und Lokomotiven erst wieder einsatzbereit gemacht werden.

Soweit damals jemand aus irgendeinem Anlaß reisen mußte, war dies alles andere als ein Vergnügen. Die wenigen Züge, die verkehrten, waren überbesetzt. Ein Stehplatz in der dicht gedrängten Menschenmenge des Zugwaggons war schon ,,ein Vermögen wert". Ich erinnere mich an eine Fahrt, die ich im Jahre 1946 mit der Eisenbahn nach Traunstein machte. Es war Februar und bitter kalt. Die Fenster der Waggons hatten kein Glas. Einige waren mit Holzbrettern zugenagelt, die anderen waren direkt offen. Der Wind trug das Schneegestöber in das Zugabteil. Die ,,Reisenden" kauerten sich in ihren Wintermänteln zusammen. Sie hatten die Kragen hochgestellt und den Hut weit ins Gesicht gesetzt. Steif und durchgefroren entstiegen wir in Traunstein dem Zug. Ich glaubte schon, die Fahrt würde kein Ende mehr nehmen.