Kloster Baumburg

Der Moränenrücken, auf dem zu Beginn des 12. Jahrhunderts das Augustinerchorherrenstift Baumburg errichtet wurde, hat schon sehr früh das Interesse der Menschen auf sich gezogen. Die ältesten Funde reichen hier bis in die Jungsteinzeit zurück. Von da an waren die Uferhänge an Alz und Traun kontinuierlich bewohnt. Während der römischen Besatzungszeit führte wahrscheinlich eine Straße von Seebruck am Chiemsee durch das Alztal nahe an Baumburg vorbei. Ob die Römer hier einen Wachturm hatten, wie manchmal behauptet wird, ist ebensowenig nachweisbar wie die hier vermutete vorgeschichtliche Fliehburg. Im Jahre 925 soll "poumburc" eine Gerichtsstätte gewesen sein. Damals waren hier bereits die Chiemgaugrafen aus dem Geschlecht der Sighardinger die Herren, die auf Baumburg in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts ihren Hauptsitz gehabt haben sollen. Aus den Baumburger Traditionsnotizen geht hervor, daß Graf Sighard IV., auch Sizo genannt, und seine Frau Judith zu Beginn des 11. Jahrhunderts ihren gesamten Besitz auf Baumburg zur Errichtung eines Klosters und einer der heiligen Margareta geweihten Kirche stifteten.

Diese Kirche konsekrierte Erzbischof Hartwig von Salzburg am 12. Juli 1023. Die vermutlich sehr kleine klösterliche Niederlassung hatte wohl keinen Bestand, denn man berichtete später nichts mehr von ihr. Das änderte sich erst unter dem Enkel Marquart des Grafen Sighard, der im südlichen Chiemgau die Burg Marquartstein erbaute - und sich dann nach dieser Burg nannte. Mit ihm beginnt die eigentliche Gründungsgeschichte des Stiftes Baumburg, die von vielen Legenden umrankt ist. Sogar im Baumburger Fundationsbericht, der bereits im 12. Jahrhundert entstand, liest sie sich streckenweise wie ein mittelalterlicher Ritterroman. Die Hauptperson dieser Gründungsgeschichte ist die Gräfin Adelheid von Megling-Frontenhausen die Witwe des Grafen Marquart. In der Baumburger Stiftskirche hat man ihr im frühen 15. Jahrhundert - vermutlich als Nachfolger eines älteren, weniger aufwendigen Gedenksteins - ein repräsentatives Hochgrab errichtet, von dem die Deckplatte bis heute erhalten ist. Die in die Kirchenwand links vom Eingang eingemauerte Reliefplatte aus rotem Marmor zeigt Adelheid mit einem idealisierten Modell der Stiftskirche.

Die Gründungsgeschichte von Baumburg hängt sehr eng mit jener des Augustinerchorherrenstiftes Berchtesgaden zusammen. Auch wenn die uns überlieferten Verwandtschaftsverhältnisse der Stifterfamilien recht verwirrend sind und wohl nie ganz geklärt werden können, so ergibt sich aus den historischen Quellen doch ein ziemlich klares Bild der wesentlichen Vorgänge. Demnach wurde die spätere Gräfin Adelheid von Sulzbach um das Jahr 1075 als Tochter des Grafen Kuno von Megling-Frontenhausen geboren. Obwohl dieser mit dem Grafen Marquart von Marquartstein verfeindet war, verliebte sich die noch sehr junge Adelheid in den wesentlich älteren Marquart, ließ sich von ihm entführen und heiratete ihn gegen den Willen ihres Vaters, der sie daraufhin enterbte. Das Glück des neuvermählten Paares dauerte nur einige Monate, denn Graf Marquart wurde auf der Jagd derart verprügelt - angeblich waren die Söhne einer früher einmal von ihm umworbenen Witwe die Täter -, daß er bald darauf an seinen Verletzungen starb.